Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Versmold

Altarraum

Der Altarraum bildet den Abschluss der Kirche im Osten – dort, wo die Sonne aufgeht. Ein Symbol der Auferstehung. So wie auch jeder Sonntagsgottesdienst eine Erinnerung daran ist, dass Jesus Christus am Ostermorgen den Tod überwunden hat.

Der Altarraum in der Petri-Kirche hat die Form eines halben Sechsecks ("3/6-Chor"). Die drei Seitenwände sind leicht nach Norden geneigt. Möglicherweise eine Erinnerung an den geneigten Kopf Christi am Kreuz. Jedenfalls lässt die gebrochene Symmetrie den Raum bewegter erscheinen.

Die Kanzel, der Taufstein, zwei Apostelbilder, das Petrusfenster und ein Kronleuchter bilden die historischen Ausstattungsstücke. Alle weiteren Elemente sind modern.

Bis zur Renovierung von 1960/61 war der Altarraum durch die Orgel dominiert. Sie stand auf einer hölzernen Empore. Davor befand sich ein Holzaltar aus dem Jahr 1857. Das Altarbild zeigte die Kopie eines "Christus am Ölberg" des Historienmalers A. Kaselowski.

Bei der Renovierung wurde die Orgel durch ein neues Instrument ersetzt, das auf der gegenüberliegenden Turmseite der Kirche erbaut wurde. Dadurch wurden die drei Chorfenster freigelegt und der Raum erhielt seine heutige Klarheit. Gleichzeitig wurde der Platz für das große Bronzekreuz geschaffen.

Kanzel

Die Kanzel wurde 1711 errichtet. Ihre opulente barocke Gestalt überrascht in einer schon damals protestantischen Kirche: gewundene vergoldete Säulchen, üppige Marmorierungen und ein ausladender Schalldeckel mit kronenartigem Aufsatz. Vermutlich entsprach diese Gestaltung dem benachbarten Altar samt Orgel. Von deren damaligem Prospekt zeugen die Figuren von Jesus und den Evangelisten, die heute im Seitenschiff angebracht sind (siehe Orgeln). Die Kanzel wurde 1986 zuletzt gründlich restauriert.

Getragen wird die sechseckige Kanzel durch eine Figur, die vermutlich den Namenspatron der Kirche darstellt: Petrus. So erinnert sie an das Jesuswort: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen." (Matthäus 16,18) Gerahmte Bildfelder zeigen die vier Evangelisten.

Der Schalldeckel war vor der technischen Klangverstärkung von großem praktischen Nutzen. Er zeigt an seiner Unterseite in hebräischen Schriftzeichen den Gottesnamen, seltsamerweise spiegelverkehrt. Dieser ist umgeben von einem goldenen Strahlenkranz. An der Oberseite des Deckels zeugen fünf Schrifttafeln von der protestantischen Hochschätzung des Wortes Gottes. Unter anderem wird Lukas 11,28 zitiert: "Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren".

Taufstein

Unverzichtbar für die Taufe ist neben dem Taufwort im Namen des dreieinigen Gottes, dass der Kopf des Täuflings dreimal mit Wasser übergossen wird. Die Taufe ist ein Sinnzeichen für die Verbindung von Gottes Geist mit einem Menschen. Der Heilige Geist wird symbolisiert durch eine Taube.

Die silberne Wasserschale des Taufsteins wird bedeckt von einem hölzernen Deckel, den die Figur einer Taube krönt. Sie wird getragen von acht rot akzentuierten Voluten. Die Schale ruht auf einer achteckigen Säule aus Sandstein. Diese trägt die Jahreszahl 1772 und die Namen der damaligen Pfarrer. Beim Anklicken wird der gesamte Taufstein sichtbar.

Apostelfresken

An der mittleren Apsiswand wurden bei der Renovierung von 1960/61 zwei Fresken entdeckt. Es sind vermutlich die Reste eines Apostelzyklus. Auf der linken Seite ist der Apostel Jakobus der Jüngere zu sehen, ausgestattet mit seinem Attribut, dem Gerberholz. Ihm steht auf der rechten Seite der Apostel Jakobus der Ältere zur Seite, erkennbar an dem Pilgerstab und der Tasche. Versmold ist unweit von einem Jakobsweg gelegen, der damals und auch heute wieder von Bielefeld über Marienfeld nach Münster führte.

Petrusfenster

Das Fenster links neben der Kanzel erzählt die Geschichte vom geretteten Petrus (Matthäus 14,28-32). Als dieser Jesus auf dem Wasser sieht, hat er die Sehnsucht, ihm entgegenzugehen. Angesichts des Seegangs verliert er jedoch den Mut und versinkt im Wasser. Von Jesus wird er aus den Wellen emporgezogen, nicht ohne einen Tadel für seine Wankelmütigkeit. Die anderen Jünger beobachten die Szene aus dem Boot.

Gestiftet wurde das Bild 1918 von der Oesterweger Familie Raabe. Es handelt sich um das einzige Fenster mit gegenständlichem Motiv in der Petri-Kirche. Wenn Sie auf das Bild klicken, wird das Fenster im Ganzen sichtbar.

Kronleuchter

1692 wurde für die Petri-Kirche ein neuer Kronleuchter gestiftet, der einen vorhandenen kleineren Leuchter ersetzte. Er hing ursprünglich vor der Westempore im Schiff und gelangte erst nach dem Abbruch der Emporen in das nördliche Seitenschiff. Der wohl aus den Niederlanden oder Flamen stammende Leuchter ist im Stil der Spätrenaissance gearbeitet und besitzt insgesamt zwölf ausladende Arme, die in zwei Ebenen übereinander angeordnet sind.

Der Leuchter ist somit das einzige Element der Kirche, das stilistisch der Renaissance zuzuordnen ist und bei seiner Ankunft in der Kirche schon eine Geschichte hatte.

Hängekreuz

Nachdem die Orgel 1961 einen anderen Ort gefunden hatte, konnte im Altarraum ein Bronzekreuz nach dem Entwurf des Bildhauers Karl Ehlers aufgehängt werden. Es bildet zusammen mit dem Kreuz auf dem Altar eine Einheit.

Das große Hängekreuz stellt mit seinen durchbrochenen Linien und dem Auf und Ab der Bänder die Unruhe der Welt dar, wie auf dem Bild am Schlagschatten sichtbar wird. Dagegen kommen die Linien auf dem Altar – im Umfeld von Wort und Sakrament – zu Ruhe und Eindeutigkeit.

Altar

Ein Altar des Wortes. Auf den tragenden Wangen ist der Anfang des Johannesevangeliums eingegraben: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort..." Die Neigung der Wangen vermittelt die verschobenen Achsen des Chorraumes.

Bis zur Umgestaltung von 1857 stand ein aus Bruchstein gemauerter Altar in der Kirche. Ihm folgte der oben erwähnte Holzaltar, der 1961 durch einen schlichten steinernen Tisch ersetzt wurde. Der aktuelle Altartisch wurde vom Künstler Oswald Krause-Rischard in Birkenholz gearbeitet und bei der Renovierung 2008 aufgestellt.

Messingleuchter

Neben dem Altar hat Krause-Rischard noch drei weitere Ausstattungsstücke gestaltet: das Lesepult, ein Pult für ein Gebetsanliegenbuch und einen Messingleuchter. Dieser erinnert an ein großes Gebäude mit Fensteröffnungen. Vor oder hinter den Öffnungen können Lichte eingesetzt werden. Im Anklang an das bei Johannes überlieferte Jesuswort: "Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen." (Johannes 14,1-2)

Während der offenen Kirche wird der Leuchter von Menschen genutzt, die ein Gebet mit dem Entzünden einer Kerze verbinden. Aber auch bei Fürbitten wird der Leuchter eingesetzt, etwa beim monatlichen Friedensgebet oder zum Totengedenken am Ewigkeitssonntag.

Taufhirte

Seit 2015 befindet sich das vom Versmolder Künstler und Grafikdesigner Rüdiger Pfeffer gestaltete Hirtenbild in der Petri-Kirche. Es bezieht sich auf den alttestamentlichen 23. Psalm: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. Sein Stecken und Stab trösten mich." Und zugleich auf die Aufnahme dieses Psalms durch Jesus: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe."

Für jeden Menschen, der in Versmold getauft wird, kommt ein Schaf auf die Weide dieses Hirten. Die Schafe werden entweder von den Familien gestaltet oder vom Täufling selbst. Nach drei Jahren werden alle Familien eines Taufjahrgangs zur Tauferinnerung eingeladen. Dann verlassen die Schafe die Weide und begleiten die Getauften nach Hause.